Auch wenn ich versuche, nicht an ihn zu denken: Es klappt meistens nicht. Aber heute hab ich immerhin noch nicht geweint, obwohl ich das bisher fast jeden Tag tat.
In meinem Zimmer sind Geschenke von ihm schon nicht mehr zu finden. Alles, was mich an ihn erinnert, hab ich weggetan. Natürlich bin ich darauf nicht alleine gekommen. Ich hätte gerne noch mehr Zeug von ihm in meinem Zimmer verteilt. Jetzt gibt es nur noch ein paar Bilder. Aber ich hab uns ja so wie so als Hintergrundbild und Bildschirmschoner auf dem Handy, seit dieser Woche wieder. Ich weiß, dass das nicht unbedingt das Richtige ist. Aber ich denk ja so wie so an ihn. Ob ich nun Bilder von ihm sehe oder nicht.
Ich verstehe nicht, wie ein einziger Mensch einen so von sich abhängig machen kann. Ich weiß nur, wie er es geschafft hat. Jedoch nicht, wieso es klappte.
Mich fragen viele, was ich nur an ihm finde. Obwohl das doch eigentlich egal ist. Was nützt einem ein Mensch, den alle mögen, man selbst ist aber nicht mit ihm glücklich? Die meisten verstehen nicht, warum gerade er es mir so angetan hat. Naja, ich weiß auch nicht, was er an mir findet.
Er ist eben der, der immer für mich da war. Der mir immer zugehört hat, auf den ich besser hätte hören sollen. Dem ich von Anfang an vertraut hab. Außerdem ist er nicht wie andere Jungs. Auch wenn bei uns alles ziemlich schnell ging: Mit ihm konnte ich auch einfach mal 2 Stunden im Bett liegen, nichts machen. Und er hat mich die ganze Zeit gestreichelt. Mit anderen konnte ich das nicht.
Kein anderer wäre 2 Stunden länger wach geblieben, um mir am Telefon beim schlafen zuzuhören. Aber er. Ständig wollte er, dass ich mein Handy einfach neben mir liegen lasse, weil er es süß fand, wie ich beim schlafen atme.
Wir haben eine Zeit lang jede Nacht von Freitag zu Samstag telefoniert. Von 0 Uhr bis meistens früh um 5 Uhr. Nie konnte ich 5 Stunden lang mit jemandem reden. Aber ihm hatte ich immer etwas zu erzählen. Und er mir auch.
Später haben wir dann abends telefoniert und das Handy einfach zur Seite gelegt, als wir schlafen wollten. Am nächsten Morgen war er noch dran. Und als ich wach war, hab ich mein Handy genommen und musste jedes Mal lachen, wenn er gesagt hat „Aufsteheeeeeeeeen.“ Das war so niedlich.
Und was bleibt mir heute von ihm? Außer ein paar Geschenke und Bilder, nichts. Ich hab all seine Geschenke weggetan. Aber das Armband, wo unsere Namen eingraviert sind und das Datum an dem wir zusammen kamen, das werde ich nie irgendwo hin tun. Ich hab es jeden Tag um und ich werde es auch für immer um behalten. Das war sein Weihnachtsgeschenk und ich finde es schön.
Es erinnert mich auch nicht unbedingt jeden Tag an ihn. Andere Dinge erinnern mich da mehr an das alles. Außerdem werde ich nie aufhören können, an ihn zu denken. Und ich will es auch gar nicht. Obwohl ich natürlich weiß, dass es die ganze Situation keinesfalls besser macht. Aber da hab ich eben Pech. Es soll wohl so sein. Tja. Das ist dann wohl der Sinn meines Lebens. Einmal jemanden kennen gelernt zu haben und dann zu sterben, weil man ihn verloren hat.
Ich denke jeden Tag darüber nach, ob es besser wäre am Leben zu bleiben, oder nicht. Die meisten halten das eh alles für unsinnig. Aber das ist mir egal, ich muss es entscheiden und kein anderer.
Natürlich würde es noch sooo viel geben, was ich in meinem Leben erleben und machen könnte. Aber ich glaub nicht, dass ich ohne ihn noch etwas erleben will. Ich kann natürlich mein restliches Leben alleine zu Hause sitzen, weiter heulen, mir Gedanken machen ... Aber ich könnte auch einfach alles beenden.
Vielleicht ist das feige. Aber man darf ja wohl mal feige sein. Ich hab es bis jetzt ausgehalten. Und ich weiß, dass ich das nicht mehr lange tu. Vor allem auch, weil der letzte Tag mit ihm immer näher rückt und ich immer mehr Angst davor habe. Weil ich weiß, dass ich ihn am Mittwoch zum letzten Mal sehen werde. Und ich weiß auch, dass es sein wird wie immer. Dass es ihn nicht wirklich beeindrucken wird, dass jetzt alles vorbei ist. Vielleicht freut er sich sogar, mich nie wieder sehen zu müssen. Wenn ja, dann soll er das bitte für sich behalten. Denn er hat mir schon so viele Dinge gesagt ... bei denen hätte ich nie gedacht, dass ich sie mal von IHM hören werde.
Je mehr ich darüber nachdenke, wie er früher war, was wir zusammen gemacht haben und wie glücklich ich mit ihm war, desto mehr wird mir klar, wie scheiße er doch jetzt wirklich geworden ist. Und eine Erklärung für alles, warum er Schluss gemacht hat, wieso er so geworden ist ... Nie werde ich sie bekommen.
Jedes Mal würde ich mir am liebsten wieder die Arme aufschneiden. Aber ich hab versprochen es nicht mehr zu machen. Und bisher habe ich mich, bis auf einen Ausrutscher, daran gehalten. Naja. Es sieht ja vielleicht auch nicht sonderlich schön aus. Aber was macht eine Hässliche denn noch hässlicher? Nichts. Aber das zu machen, hat mich einfach beruhigt. Alle, die auch an SvV leiden oder gelitten haben, wissen was ich meine. Mich hat es auch nie wirklich interessiert, ob es jemand sieht. Die Zeit, in der es am schlimmsten war, war so wie so im Winter. Da konnte ich es unter dem Pullover noch ziemlich gut „verstecken“. Das Schlimmste dabei war immer, dass man jedes Mal aufpassen musste, dass einen niemand berührt. Es hat einfach saumäßig gebrannt. Ich musste mich oft beherrschen, nichts zu sagen. Mir war zwar egal, ob es jemand sieht, aber ich habe einige Lästerschweine in meinem Kurs gehabt. Die hätten sich das Maul darüber zerrissen und das Ganze sicher noch witzig gefunden.
Ich hab niemals besonders tief geschnitten, aber ich habe es immer wieder aufgekratzt, sodass es vielleicht noch schlimmer aussah, als ein tiefer Schnitt. Ich wollte nicht, dass es weg geht. Weil ich immer dachte (und auch immer noch denke), dass ich etwas falsch gemacht hab und er deswegen nichts mehr mit mir zu tun haben will. Denn wenn es nicht an mir liegt, wie er sagt, an wem dann?
Er wird nie wieder etwas mit mir zu tun haben wollen. Und ich kann ihn nicht so einfach loslassen. Ich würde ihn sicher noch weiter nerven, wenn wir uns dann endgültig nicht mehr sehen.
Auch wenn er mich in letzter Zeit nicht glücklich gemacht hat, will ich ihn glücklich machen. Also kann ich auch gehen. Für immer. Dann hab ich wenigstens etwas Gutes gemacht. In meinem beschissenen Leben.


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